Was ist mit uns – eine andere Perspektive meiner Transidentität

Ich hatte Geburtstag und du hast nicht daran gedacht!

Was es mit diesem Zitat auf sich hat, verrate ich dir später – versprochen. Heute steht ein sehr ernstes Thema auf dem Plan, über das ich bisher noch nicht viel gesagt habe.

Ausgangspunkt

Als ich mich irgendwann bewusst dafür entschieden habe, mein Leben im anderen Gender leben zu wollen, ist im Vorfeld bereits sehr viel passiert. Ich habe mir Freiräume geschaffen, um mich auszuprobieren und zu erproben. Ich habe mich mit meinen inneren Zwiespälten sehr intensiv auseinander gesetzt, um dann irgendwann festzustellen, dass ich so wie ich bisher gelebt habe, nicht mehr weiterleben konnte. Es hat so lange gedauert, weil es mein Leben grundlegend verändert hat. Das ist meine Erfahrung und sie ist real. Die viele Zeit habe ich benötigt, um mich erst mal selbst zu verstehen. Erst dann war ich bereit, mein Schicksal zu akzeptieren und mit dir zu teilen. Das ist absolut nachvollziehbar. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.

Geht es wirklich nur um mich?

Dabei habe ich viele wichtige Aspekte übersehen, über die wie ich finde viel zu wenig berichtet wird. Das sehe ich in meinen eigenen Artikeln und in den Erzählungen anderer trans*Personen. Alles scheint sich nur noch wie selbstverständlich auf mich selbst zu beziehen. Ja die ganze Welt scheint sich nur noch darum zu drehen, wie es mir geht, wie ich mich fühle und was mit mir los ist. Dabei übergehe ich die Menschen, die mir am meisten bedeuten. Wie viele trans*Menschen haben mir von ihren gescheiterten Beziehungen berichtet. Wie viele von uns haben Probleme mit ihrem direkten Umfeld – mit Verwandten und mit Freunden oder auf der Arbeit? Ich habe die Gefühle meiner liebsten Mitmenschen missachtet, obwohl es davon abhängt, wie ich mich fühle. Doch warum ist das so?

Gründe

Weil ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin. Ich musste lernen mit den neuen Begebenheiten klar zu kommen und habe dabei vergessen, an die zu denken, die ich liebe. Es gibt keine Schuldigen. Es sind die Umstände die das erzeugen und oft ist es dann schon viel zu spät. Beziehungen lassen sich nun mal nicht so schnell und einfach reparieren. Deshalb möchte ich heute unsere Perspektive verändern und das Thema trans*Mensch aus der Sicht meiner Angehörigen betrachten.

Mein Coming-out, dein Coming-out

Wenn ich dir sage, dass ich trans bin erwarte ich das du mich so akzeptierst, wie ich bin. Aber was ist mit dir? Du scheinst außer der Rolle, mich so annehmen zu müssen, keine andere Funktion für mich zu besitzen und das kann einfach nicht richtig sein. Mein Schritt ist auch für dich eine große Veränderung. Auch du musst mit dieser neuen Situation klar kommen. Das ist mir in diesem Moment gleichgültig, weil es ja um mich geht. Tut mir leid, dass mir dass gerade erst klar wird. Ich war in den letzten Monaten einfach zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Dabei wäre ich es dir schuldig gewesen, mich auch damit zu beschäftigen, wie du dich fühlst. Das war sehr egoistisch von mir.

Veränderungen aus der Sicht der Eltern

Du hast einen Sohn auf die Welt gebracht und musstest feststellen, dass du dich geirrt hast. Es war nicht dein Fehler, denn ich habe alles dafür getan – wirklich alles – damit du es nicht mitbekommst. Der Tag an dem ich es dir gesagt habe, kam für dich urplötzlich und ohne jede Vorwarnung. Während ich mich schon lange damit auseinandergesetzt habe, wie ich es dir am besten sagen kann, hattest du keine Zeit dich darauf vorzubereiten. Aber ich habe sofort erwartet, dass du dich für mich freust und mich in den Arm nimmst. Das war ganz schön eigensinnig von mir. Bitte verstehe, dass ich zu dem Zeitpunkt mit anderen Gedanken beschäftigt war. Ich war überfordert und hoffe du kannst das nachvollziehen.

Wo ist mein Liebhaber und bester Freund?

Du hast mich als Macho kennengelernt und musstest irgendwann zwangsläufig feststellen, dass ich eine größere Tussi bin, als du selbst jemals sein könntest. Du hast mich gerade am Anfang meiner Reise sehr unterstützt und dafür möchte ich mich jetzt bei dir bedanken. Du hast dir alles angehört und mir dabei zugesehen, wie ich mich von Tag zu Tag verändert habe. Mein neues Ich wurde immer stärker und immer mehr. Auf der anderen Seite blieb immer weniger von der Persönlichkeit, die du gelernt hast zu lieben. Ich habe nicht verstanden, dass du Abstand gebraucht hast. Deine eigenen Sorgen und Probleme wurden von mir ignoriert, denn ich hatte andere Dinge im Kopf. Der beste Freund, mit dem du über alles reden konntest war somit auch nicht mehr für dich da. Ich kann es inzwischen besser nachvollziehen, warum du dich zurückgezogen hast. Du hast mich nie im Stich gelassen. Mein eigenes Verhalten hat dazu geführt, dass unsere schöne Zeit einen traurigen Abschluss gefunden hat.

Sieh nur was es mit mir macht?

Es war von Beginn an eine komplizierte Geschichte das mit uns. Als alle anderen nicht mehr für mich da sein konnten, bist du zu meinem Glück aus dem Nirgendwo aufgetaucht. Du hast mir die Sicherheit und die Bestätigung gegeben, die ich so sehr gebraucht habe – bis heute. Mir war von Anfang an klar, dass du andere Hoffnungen in mich gesetzt hast. Du kanntest mich in meiner früheren Gestalt und hast gelernt, dass da mehr ist als das. Du hast mich so akzeptiert, wie ich bin. Es fühlte sich für dich wunderbar an, eine beste Freundin dazu zu gewinnen. Obwohl ich jetzt eine Frau bin konntest du immer noch den Liebhaber in mir erkennen. Wenn du es wolltest, dann konntest du es ausblenden, wie ich jetzt bin. Dafür hast du deine eigenen Prinzipien außer Kraft gesetzt. Ich wusste das es so ist, denn du stehst nicht auf Frauen. Wir wussten zu dem Zeitpunkt vielleicht beide nicht, worauf wir uns da eingelassen haben. Aber wenn es sich gut anfühlt, dann will man es nicht unbedingt hinterfragen. Es gab aber auch immer wieder Konflikte. Unsere verschiedenen Persönlichkeiten sind oft aufeinander geprallt. Auch ich habe meine Fehler gemacht. Habe wissentlich und willentlich mit deinen Grenzen gespielt, wieviel Frau du aushalten könntest. Das was mir wie ein Spiel erschien, hatte ernste Auswirkungen auf dich. Dein Unterbewusstsein hat immer stärker darauf reagiert ohne das du es beeinflussen konntest und ich habe das nicht respektiert. Wollte es vielleicht auch nicht sehen, weil du mir gut getan hast. Am Tag als dein Geburtstag war, habe ich hier gesessen und nicht gewusst, ob es gut ist den Abstand zu durchbrechen, den wir zu diesem Zeitpunkt gebraucht haben. Ich konnte dich einfach nicht kontaktieren oder sehen, weil ich mir nicht sicher war, ob es dir gut tut. Mir ist klar geworden, dass wir zu weit gegangen sind und dieses mal wollte ich es akzeptieren, auch wenn es nicht einfach war. Das hat mich sehr beschäftigt und ich wollte dich nicht noch mehr verletzen.

Ich hatte Geburtstag und du hast nicht daran gedacht!

Da habe ich an dich gedacht. Ich war verunsichert was richtig war und was nicht. Ich bin froh, dass wir den Weg zueinander wiedergefunden haben. Auch wenn jetzt immer noch nicht klar ist, ob das was mit uns ist, gut für uns ist. Jedenfalls tut es uns gut und es fühlt sich gut an. Also werden wir uns wiedersehen, bis die nächste Kollision uns aus dem Gleichgewicht bringt.

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Einen schönen Abend, deine Mycha

P.S.: Hinterlasse mir einen Kommentar, ein Like und teile meine Gedanken gerne mit der Welt da draußen. Ich hab Dich lieb!

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